Wie eine Brio-Eisenbahn…

Die Personaldienstleistungsbranche hat sich stark gewandelt, von temporären zu internen Fachkräften, die flexibel bei Kunden eingesetzt werden. Die Gleichstellung mit festangestellten Mitarbeitern ist heute Standard. Die Personalvermittlung konzentriert sich vermehrt auf qualitativ hochwertige Kandidaten und die Effizienz der HR-Abteilungen. Innovation, Flexibilität und eine positive Unternehmenskultur sind entscheidend für den Erfolg in der Branche.

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Wie hat sich die Personaldienstleistung gewandelt?

Wir sprechen heute nicht mehr von temporären, sondern von internen Fachkräften. Diese Fachkräfte setzen wir bei unseren Kunden ein. Es sind kurz gesagt Projektmitarbeitende, die über Express Personal bei unseren Kunden eingesetzt werden. Ob sie in Projekten arbeiten oder Saisonspitzen abdecken ist sekundär und kann sich jederzeit ändern. Sie sind heute den festangestellten Personen im Einsatzbetrieb gleichgestellt. Nicht nur was die Entlohnung angeht, sondern auch in punkto Anstellungsbedingungen und Sozialversicherungen. Gerade dank dem GAV Personalverleih und der Marktentwicklung sind die grossen Unterschiede in vielen Bereichen verschwunden. Zudem sind auch die Übergänge fliessend – es kann zu einer Festanstellung oder zu einem erneuten temporären Einsatz kommen. Eine Mitarbeiterin von uns hat gerade ein Angebot für eine Festanstellung abgelehnt. Sie möchte lieber weiter über Express Personal arbeiten, weil sie genau weiss, dass sie sich in einem halben Jahr wieder beruflich verändern möchte. Diese Chance bieten wir ihr.

Sind Dauerstellenvermittlungen heute weniger gefragt?

Der Trend: HR-Abteilungen sollen effizienter arbeiten und Rekrutierungskosten optimieren. Für uns Personaldienstleister bedeutet dies: Konzentration auf die „Podestplatz-Bewerbungen». Als Personaldienstleister schöpfen wir ganz verschiedene Möglichkeiten in der Rekrutierung aus und kennen die gesamte Klaviatur. Um nur ein paar zu nennen: Spidering, Direct Search, Active Sourcing, Einsatz von Algorithmen. Wer ein grosses Repertoire aktivieren kann, wird auch heute noch passende Fachkräfte finden. Wir können jedoch nicht mehr 10 Dossiers einsenden wie früher, sondern nur noch drei. Und diese müssen selektioniert und wirklich Top-Kandidaten sein. Das reduziert die Chancen für Kandidaten, die nicht hundert Prozent auf das Profil passen. Der Dauerstellenbereich ist somit nicht weniger gefragt, aber es wird mehr Fokus auf Qualität gelegt. Und zwar vom ersten Schritt an.

Wer ist Ihr primärer Kunde?

Immer häufiger meldet sich die Fachkraft bei uns und gibt uns den Auftrag, nach der perfekten Stelle zu suchen. Das ist die Umkehrung des Fachkräftemangels. Heute haben wir nicht mehr Skype-Sitzungen mit den Firmen, sondern mit den Kandidaten. Keine Dienstleistung ist mehr abgrenzbar – wir besprechen mit den Kunden jeden Tag eine neue Situation. Heute möchten sie einen Freelancer via Payrolling einstellen, morgen ist es ein Grossprojekt, für welches der Kunde während einer befristeten Zeit 30 Mitarbeitende benötigt und übermorgen eine Kaderfachkraft, die wir schnellst-möglich rekrutieren sollen. Als Personaldienstleister sind wir mit unseren umfassenden Dienstleistungen jeden Tag in einer neuen Situation am Markt und können in verschiedensten Situation Lösungen anbieten.

Ohne Innovation geht gar nichts mehr. Stimmt diese Aussage Ihrer Meinung nach?

Wir haben pro Jahr 1000 HR-Fachfrauen und -Männer, die frisch aus der Ausbildung in den Schweizer Arbeitsmarkt kommen. Ein Grossteil versucht in einem Betrieb die HR-Arbeit zu professionalisieren. Als Personaldienstleister können wir als Ergänzung auftreten und mit unseren innovativen Ideen die HR-Verantwortlichen unterstützen. Das ist unsere Stärke. Wir können uns flexibel im Markt bewegen, haben ein neutrales Image und können so andere Profile rekrutieren und auf neue Möglichkeiten aufmerksam machen. Hier ist die Innovationsfähigkeit der Personaldienstleister gefragt. Wäre die Branche über die letzten 50 Jahre nicht innovativ gewesen, dann gäbe es uns heute nicht mehr.

Positiv denken ist fest verankert im Leitbild der Express Personal AG. Weshalb ist positives Denken so wichtig?

Was wäre ein Leben ohne positives Denken…(lacht). Positiv Denken ist unsere Basis im Tagesgeschäft. Zwei weitere wichtige Punkte sind Respekt und Wertschätzung. Es geht um eine Grundhaltung. Wir verbringen so viel Zeit in der Firma, bewegen uns im Team und das wollen wir positiv sehen und erleben. Hier ist jede und jeder gefordert, sich in diesem Kontext zu entwickeln und zu motivieren. Wir haben den ganzen Tag mit Menschen zu tun und leben von Geschichten. Wenn diese positiv besetzt sind, macht es schlichtweg mehr Spass. Das wirkt sich auch direkt auf unsere Kandidaten und Kunden aus. Unsere Mitarbeitenden sind unsere Botschafter: Positiv denken schweisst zusammen und ist ansteckend.

In unserer Branche ist die Fluktuation unter Personalberatenden relativ hoch. Wir bei Express Personal haben unseren Onboarding-Prozess auf mind. 5 Jahre aufgegleist und geben unseren Mitarbeitenden, die Möglichkeit, sich laufend weiterzuentwickeln. Unsere Incentives bestimmen die Mitarbeitenden; zum Beispiel machen wir bei Zielerreichung einen Teamausflug nach Ibiza oder Berlin.

Was braucht es als Personalberaterin oder Personalberater?

Vor allem braucht es eines: Das Talent für den „Perfect Match». Erfolgreiche Recruiter erkennen sofort, ob eine Person, ein Job und eine Firma zusammenpassen. Vieles ist lernbar, aber dieses Talent braucht es und es wird im Job zur Stärke. Ich vergleiche das mit einer Brio-Holzeisenbahn: Nur wenn die Wagen mit den richtigen Magneten aufeinander treffen, kann diese schlussendlich fahren.

Wenn Sie eine Innovation in Ihrem Alltag einführen könnten, was wäre das?

Ich wünsche mir weniger Administration und Lohnbuchkontrollen, keine Stellenmeldepflicht und weniger Marktdruck… Dafür braucht es jedoch keine Innovation, sondern vorteilhaftere Rahmenbedingungen – gerade auch durch die Gesetzgebung.

Ich bin überzeugt: Solange wir kreativ und innovativ bleiben, wird es unserer Branche gutgehen.
Dank Digitalisierung wird es uns auch in Zukunft brauchen. Es werden viele Tools entwickelt – die perfekten Apps und Matching-Lösungen – am Schluss braucht es jedoch immer eine Person, die persönlich bestimmt, ob es passt oder nicht. Und hier sind die Personalberatenden gefragt. Alles andere wirkt unterstützend. Solange wir den „Perfect Match» herstellen können, werden wir als Branche gebraucht und der Job macht Spass.

Adrian Diethelm
Geschäftsführer
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